
Sie beide müssen sich herantasten, hineinfühlen in die unbekannte Verbandsliga. Allerdings mit unterschiedlichen Voraussetzungen.

Der TSV Langenbeutingen als freudig-gespannter Aufsteiger, der SV Sülzbach eher unsicher nach dem Abrutschen aus der Oberliga. Das Verbandsliga-Derby am Sonntag (11 Uhr) dient nun also als erste Standortbestimmung der Nachbarn, die sich aus Pokal- und Testspielen schon gut kennen.
Verluste
"Wir wollen nicht durchgereicht werden", hatte SVS-Trainer Jürgen Jung vor dem Saisonstart als Schreckensvision formuliert. Der Verlust von Stammkräften wie Stefanie Zimmermann oder Michaela Plaggemeyer, die ihre Karrieren beendet haben, junge Spielerinnen, die integriert werden wollen und die unbekannte Form nach knapp fünf Wochen Vorbereitung saßen ihm im Hinterkopf. Was seine Truppe am ersten Spieltag aus diesen Variablen macht, wird Jung jedoch höchstens per SMS mitbekommen − er ist derzeit im Urlaub und wird von Co-Trainerin Manuela Epp vertreten.
Dennoch, die Stimmung in der Mannschaft ist gut. "Wir sind froh, dass es endlich losgeht", sagt Mittelfeldspielerin Daniela Schäfer. "Wir sind gespannt und auch zuversichtlich, dass wir gut trainiert haben." Der Gegner ist indes kein Unbekannter, bei Pokal- und Testspielen haben sich die Hohenloher Nachbarn schon im Blick gehabt. "Das waren hart umkämpfte Spiele", sagt Schäfer. "Die Langenbeutingerinnen haben robust gespielt und haben jetzt auch die Euphorie des Aufstiegs dabei." An Zuversicht mangelt es im Sülzbacher Lager dennoch nicht. "Wir müssen unseren Ball laufen lassen", meint Schäfer und blickt optimistisch auf den Saisonverlauf. "Ich denke, wir können uns im Mittelfeld halten und die jungen Spielerinnen heranführen."
Gelassen
Auch der TSV Langenbeutingen geht die Standortbestimmung gelassen an. "Das ist ein schönes Spiel zum Auftakt", sagt Trainer Helmut Hammer. "Wir sind totaler Außenseiter. Vor zwei Monaten haben die noch zwei Klassen höher gespielt als wir." Die Verbandsliga wird also ein Abenteuer. Mit unbekanntem Ausgang zwar, aber mit kalkuliertem Risiko. Denn der Glaube an die eigene Stärke ist groß. "Ich denke schon, dass wir mithalten können", meint Hammer.
Die Vorbereitungsspiele zwischen den beiden Teams seien alle laufintensiv gewesen, sagt der Coach. Meist gewann Sülzbach. Doch der SVS ist geschwächt, Langenbeutingen gestärkt. "Die haben Leistungsträger verloren", sagt Hammer. "Ich weiß nicht, wie sie die Lücken füllen konnten."
Dem Langenbeutinger Trainer stehen zum Auftakt alle Leistungsträgerinnen zur Verfügung. Auch die Umstellung seines Spielsystems funktioniert: "Der Ball bleibt immer mehr am Boden. Alle nehmen am Spiel teil", sagt Hammer. Was außerdem für spannendes, anspruchsvolles Spiel spricht: "Wir werden konditionell auf der Höhe sein."
"Heilbronner Stimme" vom 2. Sep. 2011 (Kathrin Baumann und Marc Schmerbeck); Foto: Alexander Bertok