
Von Klaus Apitz (Heilbronner Stimme, 21. Juni 2011)
Das Kicken ist in diesen Tagen wegen der anstehenden Frauen-WM in aller Munde.
Helga Siller ist eine, die schon in den Siebzigern ihren Spaß daran hatte. Das war eine schöne Abwechslung auf dem Aussiedlerhof im Obersulmer Ortsteil Sülzbach. Denn es hieß mithelfen im Stall, auf dem Feld und im Wengert. "Ich musste mich durchsetzen", erinnert sich Siller noch gut daran, dass es der Mutter manchmal gar nicht recht war, wenn die Tochter beim heimischen Sportverein dem runden Leder nachjagte.
Nun ist Helga Siller 43 und schon seit 35 Jahren für den SVS in Sachen Frauenfußball im Einsatz. Nach der Jugend in der 1. Mannschaft, die irgendwann in der Oberliga angelangt war. Nebenher den Nachwuchs trainiert, meistens die B-Juniorinnen. Und als Spielleiterin viel Schreibarbeit und Organisatorisches erledigt.
Vor einigen Jahren dann ein Schnitt, als die beruflichen Anforderungen zu groß wurden. Die Diplom-Ingenieurin Helga Siller ist Teamleiterin Technik bei der Telekom in Heilbronn und macht seit einigen Jahren, unterstützt von drei weiteren Helfern, nur noch das B-Jugendtraining. "Ich hatte einfach nicht mehr die Zeit für mehr", sagt die schlanke Frau mit dem dunkelblonden Kurzhaarschnitt. Ihr Engagement wurde dieser Tage belohnt, denn die Mannschaft wurde Vizemeister der Verbandsstaffel Nord.
Es ist diese Arbeit mit den Talenten, die den Verein auch im Frauenbereich nach vorne gebracht hat. Es erfolgte zwar der Abstieg in die Verbandsliga, man zählt damit aber weiterhin zu den Besten in Württemberg. Spielerinnen wie Michaela Plaggemeyer, Julia Kremmer, Heike Graz, Sabrina Beurer oder Daniela Schäfer hatte Siller irgendwann in ihrem Talentschuppen.
Die mittlerweile in Dimbach lebende Siller macht auf Außenstehende einen ruhigen, gelassenen Eindruck. "Ich schreie aber auch mal, das geht bei den Kleinen heute gar nicht anders", sagt sie. Und erinnert sich an Zeiten unter dem Trainer Albert Steinmetz, dem Mann der ersten Stunde in Sachen Frauenfußball in Sülzbach. Da spurten die Mädels noch. "Und zugeschaut hat nur, wer einen Bezug zu uns hatte", sagt Siller. Es habe auch "kritische Stimmen wegen der Platzbelegung gegeben", denn die Frauen beanspruchten Trainingszeiten, die dem männlichen Bereich abgezwackt wurden.
"Es war wichtig, dass wir den Mädchenfußball aufgebaut haben", sagt Siller heute, aus einem sind so vier Teams geworden. Und Sülzbach hat im Unterland inzwischen einen guten Namen − nicht wegen der Männer, sondern weil die Frauen höherklassig spielen. Helga Siller will weiter mit daran arbeiten, dass dies so bleibt.
Helga Siller schaut mit kritischem Blick auf die Darbietungen der Sülzbacher B-Juniorinnen.
Der Trainerjob gebe ihr viel zurück, sagt sie.